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BANDSCHEIBENVORFALL

von Ingrid Lausund / Theater Osnabrück 2017

Eine Komödie über den alltäglichbanalen Horror der Arbeitswelt im Zeitalter flacher Hierarchien: Fünf Angestellte im Vorzimmer des Chefs, bereit zum entscheidenden Gespräch. Sie haben nächtelang vor dem Spiegel geprobt, wissen ein nervöses Kopfwackeln ebenso effektiv einzusetzen wie die völlige Nichtbeachtung einzelner Kollegen. Der bevorstehende Auftritt vor dem Boss ist bis ins Detail durchchoreografiert – Brille in den Ascher, Zigarette in die Nase, Hauptsache Blickkontakt! Wenn sie das Büro wieder verlassen, ist natürlich alles optimal gelaufen. Wirklich alles? Woher kommt plötzlich das Messer im Rücken? Und was macht der Kopf unterm Arm …? Was war das nochmal, dieses Selbst, an dem man so hart gearbeitet hat? Und was wissen die Kollegen schon wieder, was ich nicht weiß? Unter Konkurrenzdruck und Profilierungssucht fallen innerhalb kürzester Zeit alle eingespielten Rituale auseinander, unterdrückte sexuelle Wünsche und Kindheitstraumata brechen sich Bahn, Körper und Sprache geraten durcheinander und die Wartezeit verkürzt man sich mit schallenden Ohrfeigen.

Ingrid Lausunds Abgesang auf die Selbstoptimierungstrategien des modernen Arbeitnehmers treibt die alltäglichen Deformationen auf ihre absurde Spitze, bis kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Und dennoch gibt es kein Entkommen aus den systemevozierten Haltungsschäden – schon gar nicht in diesen Zeiten. Oder etwa doch? Und was dann? Und wenn man stattdessen einfach mal gemeinsam aufs Klo ginge, um ein Lied zu singen?

 

Regie Ron Zimmering / Bühne Ute Radler / Kostüm Benjamin Burgunder / Dramaturgie Marie Senf Mit Marie Bauer Niklas Bruhn, Elaine Cameron, Stefan Haschke, Janosch Schulte 

Pressestimmen

"Der Ausfall ihrer [Marie Bauers] Büroangestellten Kristensen ist eine von vielen guten Szenen von Ron Zimmerings Inszenierung am Emma-Theater Osnabrück, die zwar den Stückcharakteren viel Stress, dem Publikum dafür umso bessere Laune macht. Das liegt nicht zuletzt an den fünf Schauspielern, die in dieser Selbstoptimierungsfarce richtig aufdrehen. [...] Träume und Wünsche versacken sprachlich im Konjunktiv. Sie können sich im Einheitsbraun des hölzernen Büros (Bühne: Ute Radler) nicht entfalten. Für das Publikum dagegen ist Zimmerings Inszenierung ein großer Spaß, der bei der Premiere mit begeistertem Applaus bedacht wird." Anne Reinert, Neue Osnabrücker Zeitung, 16.12.2017

 

"Keine leichte Aufgabe für die fünf Darsteller. Tempo ist gefordert, Akrobatik, Präzision, Timing, Übersteigerung, Wut und Ekel sind gefordert, Häme und Enttäuschung, Feigheit und Machtgier, Ratlosigkeit und Hoffnungsverlust. Und alldas meistern sie mit Biss und Bravour. Eine starke Ensembleleistung, herausgefordert von einer effektsicheren Inszenierung [...]."  Harff-Peter Schönherr, Stadtblatt, Januar 2018

 

„In der punktgenauen, schnellen Inszenierung von Ron Zimmering wird das Büro 95 Minuten lang zum kafkaesken Raum. Disziplin und Kontrolle sorgen für latente wie ganz offensichtliche Machtkämfe, verbogene Gruppendynamiken und Missgunst. Das Büro wird zur Arena, nach jedem Kampf wird quasi im K.O.-System eine neue Runde ausgespielt. [...] Hier wird hemmungslos ausgesprochen, was im richtigen Leben nur gedacht wird. Unterdrückte sexuelle Wünsche und Kindheitstraumata brechen sich Bahn, Körper und Sprache geraten durcheinander und die Wartezeit verkürzt man sich mit schallenden Ohrfeigen.“ Werner Hülsmann, Osnabrücker Nachrichten, 07.01.2018